6 – Wo der E.P. arbeitet…

Echte Programmierer meiden Pascal (1-10,99,?,ende)?6

Wo der typische Programmierer arbeitet?
Welche Art von Programmen derart talentierter Individuen würdig ist?

Nun, man kann sicher sein, daß man nie einen echten Programmierer beim Schreiben von Buchhaltungsprogrammen in COBOL erwischen wird, oder gar beim Sortieren von Abonnentenadressen des SPIEGEL. Nein, ein echter Programmierer braucht Aufgaben von weltbewegender Bedeutung.

Echte Programmierer arbeiten für das Los Alamos National Laboratory und schreiben dort Atomkriegs-Simulationen auf CRAY-1-Supercomputern, oder sie arbeiten bei der National Security Agency und entschlüsseln russische Funksprüche. Nur weil tausende echter Programmierer für die NASA gearbeitet haben, waren “unsere Jungs” eher auf dem Mond als die Kosmonauten. Die Computer im Space Shuttle wurden von echten Programmierern programmiert, und auch die Betriebssysteme der Cruise Missiles der Firma BOEING wurden von diesen echten Programmieren entworfen.

Einige der Ehrfurcht einflößendsten echten Programmierer arbeiten im Jet Propulsion Laboratory in Kalifornien. Viele von ihnen kennen das ganze Betriebssystem der Poineer- und Voyager-Sonden auswendig. Mit einer Kombination aus großen, bodengebundenen FORTRAN-Programmen und kleinen, von den Sonden mitgeführten Assembler-Programmen vollbringen sie unglaubliche Kunststücke der Navigation und Improvisation.
So treffen sie nur 10 Kilometer große Fenster nahe Saturn nach sechs Jahren Flug durch den Weltraum oder reparieren bzw. umgehen defekte Sensoren, Sender oder Batterien. Angeblich soll es einem echten Programmierer gelungen sein, in ein paar hundert Bytes unbenutzten Speichers innerhalb einer Voyager-Sonde ein Mustererkennungsprogramm zu pressen, das einen neuen Mond des Jupiter suchte, fand und fotographierte.

Für die Galileo-Sonde ist vorgesehen, daß sie auf dem Weg zum Jupiter entlang einer schwerkraftgelenkten Bahn am Mars vorbeizieht. Diese Bahn führt in einer Entfenung von 80 +/- 3 km an der Marsoberfläche vorbei. Kein Mensch würde diese Art der Navigation einem Pascal-Programm oder gar -Programmierer anvertrauen.

Viele der echten Programmierer arbeiten für die amerikanische Regierung, meist für das Verteidigungsministerium. So soll es sein.
In letzter Zeit allerdings erscheinen dunkle Wolken am Horizont der echten Programmierer. Es scheint, als hätten einige einflußreiche Müsli-Fresser im Verteidigungsministerium entschieden, daß in Zukunft alle Verteidigungsprogramme in so einer Art von großer, vereinheitlichter Programmiersprache, namens Ada geschrieben werden müßten.
Lange Zeit schien es, als läge Ada im Verstoß gegen alle Regeln der echten Programmierung. Es ist eine Sprache mit Strukturen, Datentypen, strenger Typenbindung und Semikolons. Kurz, sie ist wie geschaffen, um die Kreativität des typischen Programmierers zu verkrüppeln.

Glücklicherweise hat die jetzt vom DoD (Department of Defense = Verteidigungsministerium, Anm d. Ü.) ausgewählte Sprache noch genügend interessante Eigenschaften, um dem echten Programmierer eine Annäherung zu ermöglichen: Sie ist unglaublich komplex, sie enthält Möglichkeiten, um mit dem Betriessystem herumzumachen und Speicherbereiche neu zu verteilen, und Edgar Dijkstra mag sie nicht.
Dijkstra ist, wie man wissen sollte, der Autor von “GOTOs Considered Harmful“, einem Meilenstein der Programmiermethodologie, der von Pascal-Programmierern und Müsli-Fressern gleichermaßen bewundert wird. Und außerdem, ein zu allem entschlossener echter Programmierer kann in jeder Sprache FORTRAN- Programme schreiben.

Der echte Programmierer kann allerdings auch Kompromisse in bezug auf seine Prinzipien eingehen und an etwas geringeren Aufgaben als der Vernichtung des Lebens arbeiten, sofern er entsprechend dafür bezahlt wird. Viele echte Programmierer schreiben z.B. Videospiele für Atari, allerdings spielen sie nicht damit. Ein echter Programmierer weiß, wie er die Maschine jedesmal schlagen kann, und damit ist es keine Herausforderung mehr. Jeder bei Lucas-Film ist ein echter Programmierer, denn es wäre doch verrückt, das Geld von 50 Millionen Star-Wars-Fans auszuschlagen.

Der Anteil der echten Programmierer im Bereich der Computer Graphics ist etwas niedriger als anderswo, was wahrscheinlich daran liegt, daß noch niemand irgendeinen Nutzen der Computer Graphics entdeckt hat. Andererseits werden Computer Graphics überwiegend in FORTRAN abgehandelt, daher gibt es einige Leute, die so das Schreiben von COBOL-Programmen vermeiden.

7 – Der E.P. in der Freizeit…

by Seòrsa MacLately